RE: Watschentherapie -
Sunflower - 19.02.2015
Hi Kathra,
VIELEN DANK FUER DEINEN ERMUNTERNDEN ERFOLGSBERICHT!!!
Kannst du uns schreiben, wie lang es ab Beginn der gepulsten Antibiose (2 Tage AB/4 Wochen Pause) bis zu Beschwerdefreiheit gedauert hat? Hast du nach Erreichen der Beschwerdefreiheit einige Zyklen weiter therapiert?
Ich mache eine gepulste Antibiose seit Juni bei einem auslaendischen Spezi (Dr.B., Lehrer von Dr.Cecile Jadin), der seine Lyme Patienten (oder Patienten mit Co-Infektionen) seit 25 Jahren mit diesem Schema erfolgreich behandelt.
Eine Lyme Patientin von ihm (mit zahlreichen Co-Infektionen) wurde nach 1,5 Jahren komplett symptomfrei und ist es immer noch (2 Jahre nach Ende der letzten Antibiose), eine andere Patientin ist jetzt nach 4 Jahren Therapie symptomfrei. Die "MS" einer Freundin meiner Mutter hat er damit auch erfolgreich therapiert (chronische Rikettsiose).
Dieses Schema klappt also nicht nur bei Borrelien, auch bei Co-Infektionen sehr gut. Allerdings muessen diese auch gezielt mit-behandelt werden, was angesichts der wenig zuverlaessigen serologischen Tests gar nicht so einfach ist.Mein Spezi behandelt deswegen nach den Symptomen, wenn er Co-Infektionen trotz negativen Serologien vermutet.
Was die Dauer der Behandlung anbelangt: einem Patienten haette er gesagt, dass ca. 5 Jahre notwendig waere, um Symptomfreiheit zu erreichen. Ist eine recht lange Zeit, aber durch die 3-woechigen AB Pausen meiner Erfahrung nach gut zu verkraften, denn die Darmflora, das Immunsystem und die Mitochondrien haben ja Zeit zum Erholen.
Ich nehme uebrigens 10 Tage AB, dann gibt es 20 Tage Pause. Immer eine Kombi aus 2 AB, meist eine Tetrazykline und ein Makrolid, bei den vorletzten Runde Clindamycin mit 1 Tetrazykline, 3 Wochen spaeter gab es Rifampicin mit 1 Tetrazykline.
Da es mir seit Mitte Dez 2014 deutlich besser geht, moechte ich meinen Spezi fragen, ob wir die Dauer der AB auf 7 oder sogar 5 Tage reduzieren koennten. Irgendwann moechte ich nur noch die Watschentherapie nach KUF machen, sprich 3 Tage AB hochdosiert, dann 20 Tage Pause (oder 4 Wochen?). Immer eine Tri-Therapie mit 1 Tetrazykline, 1 Makrolid und Tinidazol, so wie manche Spezis hier das auch machen. Leider verschreiben mir mein Spezi kein Tinidazol, welches ich wegen der Zysten gerne fest ins Schema einsetzen wuerde, um das Rueckfallsrisiko zu senken.
@Anja: ich wusste nicht, dass Dr.MM (oder Prof.H?) dir eine Watschen-bzw. KUF Therapie im Anschluss an einer Langzeitantiiose verordnet hattest. Ich hatte schon ueberlegt, ob ich zu Dr.MM in Ansbach fahren soll, dachte aber, er behandelt nur mit Dauerantibiosen. Welche AB Kombi hat er dir verschrieben? War Tinidazol immer dabei?
(08.12.2012, 16:38)AnjaM schrieb: - 3 Monate durchgängig
- 3-4 (?) Monate gepulst (streng an den Symptomen orientiert - Schema: 10 Tage AB, 14 Tage Pause, falls Symptomzunahme, sofortiges Stopp der Einnahmepause) - das hab ich eigenständig abgeändert, indem ich die Pausen immer länger währen ließ und die Einnahme immer kürzer, bis zur...
- 6 Monate Watsch'n-Therapie, alle 4 Wochen 3-4 Tage hochdosiert AB (später dann in in Kombination mit dem Zhang-Protokoll, diese jedoch durchgängig)
- eine weitere durchgängige 6-wöchige Antibiose
- eine weitere durchgängige 7-wöchige Antibiose
RE: Watschentherapie -
AnjaM - 19.02.2015
Dr. MM behandelt nicht - er macht nur Therapiepläne. Und ja, von den beiden kam der Behandlungsvorschlag zu pulsieren. Alles ohne Metronidazol (das war später und nicht bei den beiden). Dabei waren Minocyclin, Quensyl und Colestyramin.
RE: Watschentherapie -
Sunflower - 19.02.2015
Danke dir, dein Beitrag ueber die von dir eingenommene AB hatte ich gerade in deinem Erfolgsthread gefunden!
Mittlerweile verschreibt Dr.M.M. nach Aussage einer Patientin immer Tinidazol zu den anderen AB. Ist wohl das beste "Zystenknacker" im Moment!
RE: Watschentherapie -
AnjaM - 19.02.2015
Ja, die Zeit bleibt ja nicht stehen.
RE: Watschentherapie -
urmel57 - 19.02.2015
(19.02.2015, 14:35)Sunflower schrieb: Danke dir, dein Beitrag ueber die von dir eingenommene AB hatte ich gerade in deinem Erfolgsthread gefunden!
Mittlerweile verschreibt Dr.M.M. nach Aussage einer Patientin immer Tinidazol zu den anderen AB. Ist wohl das beste "Zystenknacker" im Moment!
Ob Tinidazol der beste Zystenknacker ist, so fürchte ich, muss sich erst noch herausstellen - aber zumindest wird es sehr häufig angewendet derzeit. Mit solchen Aussagen wäre ich daher etwas vorsichtig. Nicht jeder ist Freund mit diesem Mittel beim verschreiben und auch nicht jeder Patient verträgt es gut.
Liebe Grüße Urmel
RE: Watschentherapie -
Sunflower - 19.02.2015
Ich bezog meine Aussage auf die in vitro Untersuchungen von Prof.Eva Sapi, wonach Tinidazol mit Abstand deutlich besser wirkte als Metronidazol gegen Zysten:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3132871/
Metronidazole hatte in den in vitro Untersuchungen von Zhang (2014) keine Wirkung auf ruhende Borrelien (also Zysten und Biofilme):
http://www.nature.com/emi/journal/v3/n7/full/emi201453a.html
Ob Tinidazol in vivo genauso gut wirkt wie in vitro kann bei der momentanen Datenlage nicht beantwortet werden. Aber die empirischen Ergebnisse sollen laut Dr.Hopf-Seidel "gut" sein:
http://www.dr-hopf-seidel.de/mediapool/87/874128/data/Hopf-Seidel-Tinidazol.pdf
Meine Wissens nach verschreiben die meisten deutschen Spezis mittlerweile Tinidazole statt Metronidazol zusaetzlich zu den anderen AB, wohl aus diesem Grunde.
Zu der Vertraeglichket: grundsaetzlich kann man auf alle AB allergisch reagieren und Herxheimer Reaktionen sind auch bei Nitroimidazolen moeglich (laut meinem Spezi hauefig sehr heftig).
RE: Watschentherapie -
Kathra - 19.02.2015
Hallo, Sunflower,
Ich habe etwa Februar 2011 angefangen, seit Dez. 2013 bin ich symptomfrei, während der ganzen Zeit haben die wenigen Symptome immer ein bisschen nachgelassen, was ich immer erst später gemerkt habe.
Seit Dez. 2013 bin ich symptomfrei, habe seitdem auch keine AB mehr genommen, als ich gemerkt habe, es gibt keine Symptome mehr.
Liebe Grüße
Kathra
RE: Watschentherapie -
Sunflower - 19.02.2015
Hi Kathra,
(19.02.2015, 16:25)Kathra schrieb: Hallo, Sunflower,
Ich habe etwa Februar 2011 angefangen, seit Dez. 2013 bin ich symptomfrei, während der ganzen Zeit haben die wenigen Symptome immer ein bisschen nachgelassen, was ich immer erst später gemerkt habe.
Seit Dez. 2013 bin ich symptomfrei, habe seitdem auch keine AB mehr genommen, als ich gemerkt habe, es gibt keine Symptome mehr.
Danke dir! Also hast du diese KUF-Therapie fast 3 Jahre durchgezogen?
Mit dieser Dauer habe ich fuer meine Therapie auch gerechnet, mit der Hoffnung natuerlich, dass es mit den aetherischen Oelen (die hoffentlich bakterizid wirken und zusaetzlich gegen die Biofilme) und den Krauetern etwas schneller gehen wird.
Wenn mich diese Krankheit etwas belehrt hat, dann eben die Geduld!
Eine zusaetzliche Frage: wurde bei dir Co-Infektionen getestet und wenn ja, welche?
RE: Watschentherapie -
Kathra - 19.02.2015
Chlamydien , ja, aber die haben sich ganz offensichtlich mit verflüchtigt.
Liebe Grüße!
RE: Watschentherapie -
Sunflower - 19.02.2015
(19.02.2015, 17:34)Kathra schrieb: Chlamydien , ja, aber die haben sich ganz offensichtlich mit verflüchtigt.
Ja, offensichtlich!
Zur Theorie der gepulsten Antibiose, bzw. zu der Frage, WIE sie wirken kann, bin ich auf diese Aussage von Dr.Marie Kroun (daenische Aerztin, selbst erkrankt) gestossen:
Zitat:The observed patterns are very consistent with Brorsons observation, that young "cysts" of Borrelia burgdorferi will revert back to spirochete form in about 9 days, while older "cysts" will take about 4 weeks to revert into spirochete form again.
http://lymerick.net/newsite/viewpage.php?page_id=3
Alte Zysten wuerden sich nach Brorsons nach 4 Wochen wieder in spirochetalen, also sich teilenden (und damit angreifbaren) Borrelien umwandeln. Das koennte die Wirkung der Watschen- Therapie erklaeren: das AB greift die spirochetalen Borrelien an, ein Teil der Borrelien ueberlebt, indem sie sich in zystischen Formen umwandeln, diese wandeln sich 4 Wochen spaeter wieder in spirochetalen Formen, die vom AB erneut angegriffen werden koennen. So in etwa erklaerte es mir mein Spezi, der allerdings 3 Wochen Pausen verschreibt.
Dr.Schaefer schrieb dazu:
Zitat:Weiters wird in Europa anders behandelt, als in anderen Staaten. Da wir mit bakterostatischen Antibiotika behandeln, können diese nur in der Vermehrungsphase wirken- jedoch hören die Borrelien sehr schnell auf sich zu vermehren / oder “verstecken” sich in schlecht durchbluteteten Gewebe – daher ist aus meiner Erfahrung von einer länger dauernden AB-Therapie abzuraten- da völlig wirkungslos und eher dem Körper schadend- Weit besser wirksam is die sog. Pulstherapie- weil so die Borrelien immer wieder in der Vermehrungsphase erwischt werden.Wichtig ist auch sowohl liquorgängige als auch zellgängige und AB gegen die Zystenform zu verwenden und zu kombinieren.
http://news.doccheck.com/de/1832/borreliose-vampire-ohne-sexappeal/
Mein Verdacht ist nach wie vor, dass viele Dauerantibiosen nicht ausreichend wirken, weil die AB (egal ob bakteriostatich oder bakterizide, denn auch viele bakterizide AB wie Cephalosporine wirken nur auf sich teilenden Bakterien und nicht auf ruhende Bakterien) nach einer Weile eine Umwandlung der meisten spirochetalen Borrelien in ruhenden Zysten bewirken, auf die sie nicht einwirken koennen. Der Patient nimmt dann moeglicherweise AB monatelang umsonst (ich stehe gerade in Kontakt mit einer Patientin, denen es nach 1 Jahr Dauerantibiose sehr schlecht geht).
Die andere Erklaerung fuer die hoehere Versagensquote im chronischen Stadium sind die Biofilme, auf die die meisten zur Zeit angewandten AB nicht einwirken.
Angesichts des hohen Leidensdrucks fuer die meisten Borreliosepatienten finde ich es jammerschade, dass nicht mehr klinische Forschung zum Thema getrieben wird. Denn bei positiven Ergebnissen haetten die meisten Patienten endlich ein Recht auf eine von den KK bezahlte Therapie, die obendrein mit 2-10 Tage/Monat deutlich preiswerter waere als eine Dauerantibiose ueber mehrere Monate/Jahre.
Dir, Katha, weiterhin alles Gute!