12.01.2026, 23:51
(19.11.2025, 18:42)Sabine schrieb: Also das klingt wirklich spannend. Selbst im deutschen wikipedia gibt es nur Tymosin beta.
Hier gibt es eine Studie, mit den positiven Wirkungen
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7747025/
Demnach hat man es früner aus Kälber-Thymusdrüsen extrahiert, heute wird es synthetisch hergestellt (Thymalfasin), scheint aber nicht so ergiebig, denn man versucht es auch mit genetisch veränderten Mirkoorganismen (E. coli, Hefen) zu produzieren. Vielleicht ist also einfach die Herstellung relativ aufwendig.
Und man muss es bei -20 Grad lagern, langfristig sogar bei - 180 Grad, nur in spezieller Form hält es sich bei Zimmertemperatur 3 Wochen - das wird ein Faktor sein, dass man es sich nicht einfach so als Nahrungsergänzungmittel kaufen kann.
Ja schade!
Ja du hast recht, man könnte echt denken, dass es unpraktisch ist wegen Verfügbarkeit und Handhabung bzw. Lagerung – in der Praxis ist das aber überhaupt kein Problem. Thymosin Alpha 1 ist durchaus verfügbar, auch in Europa. Es wird zwar nicht als klassisches Nahrungsergänzungsmittel verkauft, sondern als Peptid für Forschungszwecke ist aber über EU-nahe Bezugsquellen auch nach Deutschland innerhalb weniger Tage geliefert – ähnlich wie andere Peptide. Nach der Rekonstitution lässt es sich bei korrekter Lagerung im Kühlschrank über Monate stabil halten, was im Alltag eigentlich gut machbar ist.
Ich selbst habe bereits Erfahrung mit Peptiden, allerdings aus einem etwas anderen Bereich. Ich nutze zum Beispiel Selank und Semax – beides neuroaktive Peptide, die in der Neurologie eingesetzt werden, etwa nach Schlaganfällen oder bei kognitiven und neurofunktionellen Störungen. Sie wirken unter anderem über Neurotransmitter-Regulation, Stressachsen und neuronale Plastizität. Gerade deshalb halte ich sie auch im Zusammenhang mit neuroinflammatorischen Zuständen wie Neuroborreliose für interessant, da sie nicht nur Symptome dämpfen, sondern auch neuroprotektiv und neuroregenerativ wirken können.
Neben Thymosin Alpha 1 gibt es auch noch viele weitere Peptide welche im Borreliose-Kontex sehr viel Sinn machen könnten.
TB500 zum Beispiel wirkt vor allem regenerativ und entzündungshemmend. Es beeinflusst die Aktin-Dynamik in Zellen, fördert Gewebeheilung, Gefäßneubildung und reduziert chronische Entzündungsprozesse. Das könnte insbesondere bei muskulären, nervalen oder strukturellen Schäden nach langer Infektion eine Rolle spielen.
BPC-157 ist bekannt für seine starken Effekte auf Entzündung, Gewebeheilung und insbesondere auf Gelenke, Sehnen und das enterische Nervensystem. Es stabilisiert unter anderem die Darmbarriere, senkt systemische Entzündung und wirkt indirekt auch auf das Immunsystem. Da Borreliose häufig Gelenke betrifft und der Darm eine zentrale Rolle in der Immunregulation spielt, könnte dieser Mechanismus durchaus relevant sein.
Ein weiteres Peptid, das ich in diesem Zusammenhang spannend finde, ist GHK-Cu. Dieses Kupferpeptid wirkt weniger klassisch „immunstimulierend“, sondern eher regulierend und regenerativ. Es beeinflusst Genexpressionen, die mit Entzündung, Gewebereparatur, oxidativem Stress und neuronaler Regeneration zusammenhängen. Im Borreliose-Kontext könnte es vor allem bei postinfektiösen Schäden, Neuroinflammation oder anhaltendem Brain Fog eine Rolle spielen, indem es Heilungsprozesse im Nervensystem unterstützt und chronische Entzündung herunterreguliert.
Was auch sehr interessant ist, ist KPV. Es ist ein Fragment des körpereigenen Hormons α-MSH (alpha-Melanozyten-stimulierendes Hormon). α-MSH spielt eine zentrale Rolle bei der natürlichen Regulation von Entzündungsprozessen im Körper, insbesondere bei chronischer oder fehlgesteuerter Entzündung. KPV übernimmt genau diesen Effekt in konzentrierter Form.
Der Wirkmechanismus von KPV unterscheidet sich deutlich von klassischen Immunstimulanzien. Es „pusht“ das Immunsystem nicht, sondern wirkt vor allem regulierend. Konkret hemmt es zentrale Entzündungssignalwege wie NF-κB und senkt proinflammatorische Zytokine wie TNF-α, IL-1β und IL-6. Dadurch kann es chronische Low-Grade-Entzündungen herunterfahren, ohne die eigentliche Immunabwehr zu unterdrücken.
Ein weiterer relevanter Punkt ist die Wirkung von KPV auf die Darm-Immunsystem-Achse. Das Peptid wird häufig eingesetzt, um entzündliche Prozesse im Darm zu beruhigen und die Barrierefunktion zu stabilisieren. Da ein Großteil des Immunsystems im Darm sitzt und Antibiotikatherapien hier oft deutliche Spuren hinterlassen, könnte dieser Mechanismus auch indirekt zur Immunstabilisierung nach Borreliose beitragen.
Mir geht es dabei ausdrücklich nicht darum, irgendetwas zu verharmlosen oder als Wundermittel darzustellen. Mir fällt nur auf, dass Peptide in der Borreliose-Community bislang kaum Beachtung finden – weniger, weil sie unwirksam wären, sondern eher, weil sie vielleicht noch ziemlich unbekannt sind und sich regulatorisch in einer Grauzone bewegen.
Viele Grüße
LG Jonas

