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Der parasitäre Stoffwechsel von B. burgdorferi
#11

Die Studie ist wirklich spannend. Ich versuche mich auch mal durchzuackern, und schreibe mal auf, was ich meine, so rudimentär verstanden zu haben - muss zugeben, dass ich vorher nur die Auszüge und eure Diskussionen gelesen habe.

Die Borrelien mit ihrem kleinen Genom können selber weder Fette, Aminosäuren, Nucleotide (Bausteine für DNA, RNA) oder Coenzyme herstellen. Haben aber Gene, die für große TRansportproteine zuständig sind, mit denen sie diese Stoffe aus dem extrazellulären Raum von ihren Wirten, den Säugetieren oder ihren Vektoren, den Zecken aufnehmen können.

Die Forscher haben herausgefunden, dass dieses LDH, Lactatdehydrogenase, ein absolutes Schlüssel-Enzym für die Borrelien ist, weil sie eben nur diesen Weg haben, um ihr NAD+/NADH-Gleichgewicht und ihren Pyruvat/Lactat-Stoffwechsel in Gang zu halten (oder so ähnlich), also letztlich ihren Energiestoffwechsel. Sie können das wohl in beide Richtungen tun, Lactat aufnehmen und zu Pyruvat umbauen

Dann haben sie untersucht, dass die LDH der Borrelien, so wie bei anderen Bakterien auch, im Gegensatz zu uns, durch Fructose-1,6-bisphosphat (FBP) reguliert wird, d.h. wenn FBP vorhanden ist, ist deren Aktivität gesteigert.
Sie haben dann die Struktur von demBorrelien-LDH untersucht. Sie haben versucht, das Gen, das für die Herstellung von LDH bei den Borrelien zuständig is, auszuschalten, das klappte aber nicht, vermutlich, weil die Borrelien dann nicht lebensfähig waren. Wenn ich recht verstanden habe, ist alles sehr kompliziert, haben sie dann bei einem infektiösen Stamm von Borrelien, genetisch so manipuliert, dass das Gen für das LDH durch einen anderen Stoff an- und abgeschaltet werden konnte. Diese Mutante konnte nur wachsen, wenn der Stoff da war, der das Gen anschaltet (in vitro, im Labor).

Dann haben sie Mäuse mit diesen mutierten Borrelien infiziert, eine Gruppe bekam den Stoff, der das Gen für LDH bei dieser mutierten Borrelie anschaltet, mit dem Trinkwasser zugeführt, die andere nicht. Nach 3 Wochen wurden die Mäuse geschlachtet und untersucht. Man fand mit PCR-Tests vom Ohrgewebe, dass bei beiden Gruppen die Borrelien sich ins Gewebe verteilt hatten. Aber bei denen mit dem aktivierten Gen war die Bakterienlast 5 mal höher und bei ihnen war eine Serokonversion festzustellen (heißt wohl, waren im Blut Antikörper zu finden, nur bei einer Maus aus der andrern Gruppe schwach). Daraus haben sie geschlossen, dass auch in vivo das Enzym LDH für die Infektiosität und Fitness der Borrelien notwendig ist.

Sie haben sich dann mit Substanzen befasst, die die Aktivität der LDH hemmen. Bekannt ist wohl Gossypol. Das hemmt das Borrelienwachstum im Labor bei einer Konzentration von 100 µMol. Sie fanden noch einen anderen Stoff (Methoxsalen), ein kleines Molekül, das gleichermaßen wirkungsvoll war. Die andren 3 getesteten Stoffe hemmten erst bei der doppelten oder dreifachen Konzentration nur zur Hälfte. 
Dann wurde untersucht, an welchen Stellen jeweils diese Stoffe andocken, vielleicht auch im Unterschied zwischen Menschen- und Borrelien-LDH, aber dashab ich kaum verstanden.

Dann hat man die Toxizität dieser Hemmstoffe gegenüber menschlichen Zellen untersucht und zwar einerseits mit einem Krebszellen-Stamm und einem nicht- Krebs-Zellstamm.
Gossypol hemmte schon bei ganz niedriger Konzentration von 1-2 µMol die menschlichen Zellen gleichermaßen. 
Der eine vielversprechende Stoff Methoxsalen war gegenüber den Krebszellen bei 10 µMol toxisch, gegenüber den normalen waren 50µMol noch unschädlich. (aber für die Borrelien brauchte es ja 100µMol?)

In der Diskussion lese ich jetzt, es ist noch komplizierter, die Borrelien nehmen auch Lactat aus dem Wirt auf und bauen umgekehrt daraus Pyruvat mit Hilfe der LDH, um ihr NAD+ wieder zu NADH zu reduzieren, für die Redox-Balance. Die Energie bekommen die Borrelien nur aus der Glykolyse, das ist der Abbau von Zucker zur Pyruvat. Bzw. sie können umschalten zum Abbau von Glycerin, je nach ihrem Wirt (Zecke oder Säugetier)??
- Jedenfalls ist das LDH lebenswichtig für die Biester. Daher ist die Entwicklung von Hemmstoffen, die möglichst die LDH der Menschen weniger hemmen, ein Ansatz gegen Borreliose.

Methoxsalen, das die LDH der Borrelien stark hemmt, wird zur Behandlung von Schuppenflechte verwendet, unter UV-Strahlung.
Medicarpin war eine der anderen getesteten Substanzen, das ist ein Pterocarpan, gehört zu den Isoflavonoiden, die antientzündlich etc. sind . Es wird diskutiert, ob die schächere Hemmung mit der Löslichkeit doer der Aufnahmefähigkeit in die Borrelien zusammenhängt und noch gesteigert werden könnte.
Die anderen beiden getesteten Hemmstoffe scheinen weniger bekannt.

Mir schwirrt jetzt der Kopf, aber es klingt ermutigend.
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Thanks given by: Waldgeist , borrärger , Filenada , Dranbleiben , micci
#12

Mensch Sabine,

danke!!

Und liebe Grüße!
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Thanks given by: Sabine
#13

Sabine, vielen tausend dank , so eine wissenschaftliche ausführliche Erklärung habe ich im Traum nicht erwartet. Tolll Angel Heart Angel Ich war schon von der guten Erklärung in  Deinem ersten Beitrag ganz angetan, aber hiermit toppst Du jetzt nochmal alles. Ich werde das nach dem ersten überfliegen gleich in Ruhe durchackern. Ja ein bischen Hoffnung macht es , und man wünscht sich dass sie zügig weiterforschen.

liebe Grüße borrärgerIcon_winken3
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Thanks given by: Claas , Sabine
#14

Danke für deinen Einsatz, Sabine.. Es ist echt komplex und das geistige durchdringen erfordert Energie. Ich merke auch, dass ich ab und zu mal besser formulieren könnte.


Sabine: Milchsäuregärung, wobei Lactat entsteht, macht unser Körper ja auch, z.B. in Muskelzellen, wenn es schnell gehen soll und der Sauerstoff nicht hinterherkommt (oder so).

Stimmt. Ich hätte, als ich davon gesprochen habe, sagen sollen, dass bei uns Menschen wie auch bei E. coli die Glykolyse der erste Teil des energiegewinnenden Stoffwechsels ist (wenn man davon absieht, dass ggf. Glukose auch erstmal aus anderen Stoffen hergestellt wird). Daran schließt sich bei E. coli und uns Menschen (und den meisten anderen Lebewesen) der Citratzyklus an, der Dank der Einbindung von Sauerstoff noch mal richtig viel Energie rausholt. Die Schmerzen beim Muskelkater kommen übrigens nicht von Schädigungen durch Milchsäure, die bei Überbelastung bzw. Sauerstoffarmut durch starken Sauerstoffverbrauch entsteht, sondern durch kleine Muskelverletzungen. Die Milchsäure hat, auch wenn sie ein wenig Brennen verursachen kann, durch aus auch positive Auswirkungen (pH-Puffer, Signalstoff etc.). Gerade nochmal recherchiert. Wenn ich es richtig verstehe, ist die längerfristige Exposition allerdings problematisch für den Körper.


Ein Enzym das auch noch wichtig für die Umwandlung von NADH zu NAD+ ist, ist die CoA-Disulfid-Reduktase (CoADR). An einer Stelle in einem der Artikel stand und das hatte ich auch gepostet, dass es wichtig ist für die virulente Wirkung in Mäusen und das Überleben von Borrelien. Außerdem wie ich gepostet habe: „CoADR nutzt ausschließlich NADH als Cofaktor, um reduziertes CoA zu produzieren und NAD+ zu regenerieren (104, 105).“



Sabine: In der Diskussion lese ich jetzt, es ist noch komplizierter, die Borrelien nehmen auch Lactat aus dem Wirt auf und bauen umgekehrt daraus Pyruvat mit Hilfe der LDH, um ihr NAD+ wieder zu NADH zu reduzieren, für die Redox-Balance.

Was ich daran nicht ganz verstehe ist: Müsste, dann bei der Umwandlung von Laktat zu Pyruvat durch die LDH nicht auch wieder das eigentlich benötigte NAD+ in NADH umgewandelt werden? Wie ich erwähnt hatte, ist es ja eine Gleichgewichtsreaktion. Insgesamt wäre es dann doch ein Nullsummenspiel, da man zuvor erwirtschaftetes NAD+ wieder in NADH umbaut, oder?
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Thanks given by: Sabine
#15

Wie ich dann auch noch überlegt habe, könnte man eventuell auch versuchen die Glycolyse etwas zu behindern. Das kann man natürlich nur eingeschränkt machen. Sie ist ja doch recht grundlegend. Untenstehend habe ich wieder Teile meines Dialogs mit ChatGTP eingefügt. Seht mir nach, dass ich die Formatierung nicht noch einmal überarbeitet habe. Es ist alles etwas buggig.


Glykolyse-Inhibitoren mit relativ niedriger Toxizität
Viele klassische Glykolysehemmer (wie 2-Deoxyglukose) sind toxisch in hohen Dosen, weil auch menschliche Zellen betroffen sind. Aber einige Substanzen sind in milderer Form nutzbar oder sogar klinisch getestet.

A) Zuckeranaloga
• 2-Deoxy-D-Glukose (2-DG): hemmt Hexokinase → blockiert die erste Stufe der Glykolyse.
- Problem: kann in hohen Dosen Nebenwirkungen haben (Hypoglykämie, Müdigkeit).
- Aber: in niedriger Dosis in klinischen Studien (z. B. bei Krebs, Virusinfektionen).
• Mannoheptulose: natürlich vorkommender Zucker in Avocado, hemmt Hexokinase.
Weniger toxisch, aber schwächer wirksam.

B) Naturstoffe / Pflanzenstoffe
• Quercetin (Flavonoid): hemmt mehrere Enzyme der Glykolyse (z. B. LDH, PK).
- antioxidativ, antiinflammatorisch, bereits in Nahrungsergänzungen verfügbar.
• Resveratrol: hemmt PFK (Phosphofruktokinase), zusätzlich immunmodulierend.
• Luteolin: blockiert Glukoseaufnahme & einige Glykolyse-Enzyme.

C) Indirekte Glykolysehemmer
• Metformin: wirkt primär über die Atmungskette (AMPK-Aktivierung), senkt aber auch Glykolysefluss.
- gilt als relativ sicher, seit Jahrzehnten in der Klinik.
• Lonidamin (experimentell): hemmt Hexokinase II, wird als „milder“ Tumorstoff getestet.
________________________________________

✅ Fazit:
• Am vielversprechendsten sind 2-DG (niedrig dosiert), Mannoheptulose und pflanzliche Flavonoide (Quercetin, Resveratrol, Luteolin) → sie wirken hemmend auf die Glykolyse, ohne massiv toxisch zu sein.
• In Kombination mit Disulfiram könnte man dadurch Borrelien schwächen, während die Verträglichkeit für den Menschen (bei moderaten Dosen) erhalten bleibt.




Glykolyse von Borrelien – Übersicht der Hemmpunkte

1. Glukose → Glukose-6-Phosphat (Hexokinase)
o Inhibitoren::
- 2-Deoxyglukose (2-DG): wird phosphoryliert, blockiert dann weiteren Glykolysefluss.
- Mannoheptulose: natürlicher Zucker (Avocado), hemmt Hexokinase.
o Vorteil: relativ spezifisch, stört gleich den Einstieg in die Glykolyse.
o Risiko: bei hohen Dosen Hypoglykämie.
________________________________________
2. Fruktose-6-Phosphat → Fruktose-1,6-Bisphosphat (Phosphofruktokinase, PFK)
o Inhibitoren:
- Resveratrol (Polyphenol): hemmt PFK-Aktivität.
- Citrate (endogen, aus TCA bei Menschen): sind natürliche PFK-Hemmer, könnten theoretisch imitiert werden.
o Vorteil: Schlüsselschritt der Glykolyse („commitment step“).
o Risiko: unspezifisch bei hoher Dosis.
________________________________________
3. Phosphoenolpyruvat → Pyruvat (Pyruvatkinase, PK)
o Inhibitoren:
- Quercetin (Flavonoid): hemmt Pyruvatkinase.
o Vorteil: Quercetin ist relativ ungiftig, zusätzlich antioxidativ und antiinflammatorisch.
o Risiko: nur teilweise Blockade, da Quercetin multifunktional wirkt.
________________________________________

4. Pyruvat → Laktat (Laktatdehydrogenase, LDH)
o Inhibitoren:
- Quercetin (auch hier hemmend).
- Oxamat (Oxamat-Salz): strukturelles Analogon von Pyruvat, hemmt LDH.
o Vorteil: Borrelien sind stark von LDH abhängig, um NAD⁺ zu regenerieren.
o Risiko: Oxamat ist experimentell, nicht klinisch erprobt.
________________________________________

5. Glukoseaufnahme / Transport
o Inhibitoren:
- Luteolin (Flavonoid): blockiert teilweise die Glukoseaufnahme in Zellen.
- Vorteil: Hemmung schon vor Eintritt in die Glykolyse.
- Risiko: bei Borrelien weniger gut untersucht, aber möglich.
________________________________________


Zusammenfassung – welche Punkte eignen sich bei Borrelien?
• Besonders interessant:
- Hexokinase-Hemmung (2-DG, Mannoheptulose) → verhindert Start der Glykolyse.
- LDH-Hemmung (Quercetin, Oxamat) → verhindert NAD⁺-Regeneration, die Borrelien zwingend brauchen.
• Gut kombinierbar mit Disulfiram:
- Disulfiram stört Redoxsysteme → LDH-Hemmung passt ideal, weil dann weniger NAD⁺ entsteht.
- Flavonoide (Quercetin, Resveratrol, Luteolin) sind synergistisch, da sie zusätzlich antioxidativ wirken und relativ ungiftig sind.
________________________________________


Möglich, dass da im einzelnen was durcheinander geht bzw. dass nicht alles, was beim Menschen die Glykolyse hemmt das auch bei Borrelien macht.
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Thanks given by: Sabine
#16

Das ist ja alles sehr komplex. 
Mir grade etwas zu viel Input. ..
Also zum einen will man ja im eigenen Körper nicht den eigenen Stoffwechsel behindern. Zum anderen weiß man ja auch nicht, wenn man jetzt einen dieser Stoffe einnimmt, wie wird das verstoffwechselt und wie läuft das im Körper dann ab.
Vielleicht würde es sich lohnen, diese Substanzen mal im einzelnen durchzugehen, die die KI da herausgesucht hat?
Also 
A - Zuckeranaloga, das sind Stoffe, die so ähnlich wie die normalen Zucker gebaut sind, aber vom Körper nicht abgebaut werden? Aber stört das die Borrelien dann mehr als uns?
2-Desoxy-D-Glukose  - sagt wikipedia- ist ein Analogon zur Glucose, wird zu 2-Desoxy-glucose-6-phosphat umgewandelt, aber dann nicht weiter abgebaut, hemmt den normalen Abbau von Glucose undhemmt letztlich das Zellwachstum. Wird daher untersucht für die Behandlung von Tumoren. Soll Herpesviren hemmen, auch schön.

B - Resveratrol, Quercetin, Luteolin werden ja z.B .hier auch bei den Buhner- Kräutern (Resveratrol beim Staudenknöterich) empfohlen.

c- Metformin , sagt Wikipedia, ist ein Mittel gegen Diabetes. Ohne dass ich jetzt groß Ahnung davon habe, halte ich es für riskant, das einfach so einzunehmen.

Richtig wirken könnte das alles ja nur, wenn die Borrelien dadurch stärker geschwächt werden als man selbst.
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Thanks given by: Dranbleiben , borrärger
#17

Ja, die Glykolyse zu bremsen kann, denke ich, nur als zusätzliche Maßnahme Sinn machen. Am besten könnte es funktionieren, wenn man eh schon den Stoffwechsel angreift.. wie es u.a. bei Disulfiram sein könnte. Wahrscheinlich kann eine ketogene Ernährung für den Zeitraum des Medikamenteneinsatzes zusätzlich unterstützen die Glykolyse herunterzuschrauben
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Thanks given by: Sabine
#18

Ja, ich denke, es würde nur funktionieren, wenn es etwas gibt, das spezifisch den Stoffwechsel der Borrelien stärker hemmt als den eigenen. Man will sich ja nicht selbst aushungern.
Ist schon alles sehr komplex. So wie ja auch Fastenkuren nicht die Erreger abtöten.
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Thanks given by: Dranbleiben


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