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Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
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Pandabär Offline
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Beitrag #1
Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
Wie verhält es sich, wenn eine Bartonellose diagnostiziert wird? Ist dies dann eine eigenständige Diagnose und unterliegt nicht den Leitlinien der Borreliose?

Gibt es für die Behandlung einer Bartonellose eine andere Leitlinie, die die schulmedizinisch anerkannten Behandlungsmethoden festlegt?

Nach meinem Verständnis erkennt die Schulmedizin die Übertragung von Bartonellen via Zeckenstich nicht als erwiesen an.

Werden die Co-Infektionen in der neuen S3 Leitlinie für die Neuroborreliose Berücksichtigung finden?

All diese Fragen tauchen auf, da ich diese Woche mit der Diagnose Bartonellose rechne und mich frage wie private Krankenkasse und eventuell spätere Gutachten mit den 'Bartonellen' umgehen werden.

LG

Pandabär

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07.02.2015 21:13
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judy Offline
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Beitrag #2
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
Ich würde eine weitere Infektionskrankheit schon als eigenständige Diagnose sehen.

In der AWMF LL "Kutane Manifestationen der Lyme Borreliose" und der AWMF LL "Neuroborreliose" sind keine Koinfektionen erwähnt.
Ich denke, sie werden in den Aktualisierungen der LL eher auch keine Erwähnung finden, zumal da die Datenlage sehr mager für eine LL ist.
Auch Experten für Bartonellen, die ihre Meinung in einer LL kundtun könnten, hab ich noch nicht entdeckt.

In den LL der Deutschen Borreliose Gesellschaft sind die Koinfektionen schon drin, wie du bestimmt weißt.

Für Bartonellose gibt es keine LL.

Ich denke es spielt weder bei der Therapie der Bartonellose noch bei deren Einschätzung in Bezug auf Arbeitsfähigkeit eine Rolle, ob sie durch eine Zecke, Katzenfloh, Katzenbiss o.ä. übertragen wurde.

Andererseits dürfte die Übernahme der Therapiekosten durch die Krankenkasse bei nachgewiesener Bartonellose kein Problem sein.

Ich könnte mir vorstellen, dass Gutachter nicht viel mit Bartonellose anfangen können, da es wenig brauchbare und auch widersprüchliche Literatur gibt. So in Richtung selbstlimitierende Infektion.

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07.02.2015 22:10
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Niko Offline
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Beitrag #3
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
Zitat:Ich denke, sie werden in den Aktualisierungen der LL eher auch keine Erwähnung finden, zumal da die Datenlage sehr mager für eine LL ist.

Die Datenlage ist möglicherweise gar nicht sooooo mager.
So stellt Dr.Schaller (USA) ein Buch frei zur Verfügung, das Referenzen zum Thema Bartonellen enthält: http://www.personalconsult.com/free/Bart...esFree.pdf
Aber als chronische Infektion ist sie möglicherweise nicht bekannt oder ausreichend anerkannt.

Zitat: Andererseits dürfte die Übernahme der Therapiekosten durch die Krankenkasse bei nachgewiesener Bartonellose kein Problem sein.
Da wäre ich sehr an Informationen von Betroffenen interessiert.

Vermutlich muß die Erkrankung für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse unbedingt analytisch nachgewiesen sein?
Vermutlich wird nur eine Behandlung über wenige Wochen von der Kasse übernommen und nicht eine anscheinend doch häufig erforderliche Langzeitbehandlung?

Unser Hausarzt übernahm zumindest die parallel zur Antibiose notwendigen Blutuntersuchungen (Leberwerte,...), jedoch nicht die Behandlungskosten.
Die Diagnose wurde anhand aufgetretener Symptome gestellt, nicht serologisch.

LG Niko
10.02.2015 19:01
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Beitrag #4
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
Serologisch habe ich bisher keinen Nachweis einer Bartonellose. Vielleicht sieht dies nach einem erneuten Test ja anders aus. Klinisch habe ich einige Symptome, die zur Bartonellose passen und der LTT für die Borrelien ist nach Antibiose im Sommer mittlerweile negativ geworden. Von den verbliebenen Symptomen sind die Bartonellen Hautstreifen das Symptom, dem ich persönlich am meisten 'Beweiskraft' zu messe. Die Streifen habe ich seit Mai letzten Jahres in regelmäßigen Abständen fotografiert.

Mal sehen, was der Borreliose Spezi morgen dazu sagen wird.

Interessant fände ich zu wissen, bei wievielen Betroffenen mit bekannter Bartonelleninfektion die Bartonellose zusätzlich zur Borreliose als Diagnose gestellt und dokumentiert wurde. Laufen die Bartonellen und anderen Co-Infektionen hauptsächlich unter der Diagnose 'Borreliose' mit?

Um Ärzte und Krankenversicherungen zu sensibilieren, fände ich es besser, wenn man die Co-Infektionen zusätzlich als Diagnose erfassen würde.

LG

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10.02.2015 19:24
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Beitrag #5
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
Also, rein "verschlüsselungstechnisch" gibt es nichts für Borreliose mit Koinfektionen.
Doch Bartonellose gibt es tatsächlich, hab grad im DIMDI geschaut.
Es steht unter

A28.-
Sonstige bakterielle Zoonosen, anderenorts nicht klassifiziert
A28.1
Katzenkratzkrankheit
Katzenkratzfieber

ebenso
A28.2
Extraintestinale Yersiniose
Exkl.:Enteritis durch Yersinia enterocolitica (A04.6) Pest (A20.-)

Ja, da hast du schon recht Panda. Wenn eine Krankheit nirgends erscheint, kann es sie "epidemiologisch" gesehen nicht geben.

Bei mir wird die Bartonellose nur vom Spezi verschlüsselt.

Bitte berichte uns, was dein Spezi morgen meint. Das interessiert mich :-)

@ Nico, ja ich meinte mit positiver Serologie.

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10.02.2015 20:17
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Beitrag #6
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
@Judy:

Ich werde auf jeden Fall berichten.

In der ICD-10 habe ich unter A44.# Bartonellose gefunden. Wird die ICD-10 zur Diagnosenverschlüsselung in deutschen Kliniken benutzt oder ist man noch bei der ICD-9?

LG

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10.02.2015 20:25
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Beitrag #7
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
(10.02.2015 20:25)Pandabär schrieb:  In der ICD-10 habe ich unter A44.# Bartonellose gefunden. Wird die ICD-10 zur Diagnosenverschlüsselung in deutschen Kliniken benutzt oder ist man noch bei der ICD-9?

Das ist ja interessant!
So weit ich weiß ICD-10 - die ist schon länger auf dem Markt

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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.02.2015 20:40 von Katie Alba.)
10.02.2015 20:40
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Beitrag #8
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
(10.02.2015 19:01)Niko schrieb:  Die Datenlage ist möglicherweise gar nicht sooooo mager.
Aber als chronische Infektion ist sie möglicherweise nicht bekannt oder ausreichend anerkannt.

Es gibt einige Artikel bei PubMed, die sogar chronische Verläufe mit Rückfällen nach Behandlung beschreiben.

Zitat:
Vermutlich wird nur eine Behandlung über wenige Wochen von der Kasse übernommen und nicht eine anscheinend doch häufig erforderliche Langzeitbehandlung?
[

Vermute ich auch. Leitlinien zur Behandlung der Katzenkrankheit, die also offiziell anerkannte Bartonellose, gibt es bestimmt.

Leider sind Bart auch langsam wachsende Bakterien wie Bb, die also eine entsprechende lange Behandlung erfordern können. Dies scheint von vielen Ärzten nicht bekannt zu sein (das Allgemeinwissen über bakterielle Infektionen, speziell bei Bb und Co-Inf. scheint grundsätzlich sehr begrenzt zu sein).

Es ist schwer eine chronische Bartonellose nachzuweisen, denn zum Einen testen die meisten Teste auf dem Markt nur AKs gegen Bart Spezies (B. hanselae und B. Quintana), aber 13 Spezies sind heutzutage als Humanpathogene bekannt, welche also für 11 Spezies nicht serologisch identifizierbar sind, zum Anderen haben diese serologischen Teste wie bei Bb eine geringe Sensibilität, sind also wenig verlässlich.

2 von mir bekannten chronischen Patienten bekamen einen positive PCR, nachdem ihre Serologie negativ war.Eine andere Patientin hatte vor AB negative Serologien, nach AB aber zahlreiche positive Sero.

Gute Besserung und liebe Grüsse
Sunflower


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12.02.2015 13:25
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Beitrag #9
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
es wird die ICD 10 G (Germany) verwandt.

Stimmt, Panda, die A44 würde auch passen.
aus Dimdi

Zitat:A44.-
Bartonellose

A44.0
Systemische Bartonellose
Oroya-Fieber

A44.1
Kutane und mukokutane Bartonellose
Verruga peruana [Verruga peruviana]

A44.8
Sonstige Formen der Bartonellose

A44.9
Bartonellose, nicht näher bezeichnet

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Beitrag #10
RE: Bartonellose - Eigenständige Diagnose? Eigene Leitlinie?
dann geht's halt um die Begrifflichkeiten:
Katzenkrankheit hab ich in diesem Sinne verstanden
http://de.wikipedia.org/wiki/Katzenkratzkrankheit
es wird hier auch B.henselae als Erreger genannt.

Oroya-Fieber so:
http://de.wikipedia.org/wiki/Oroya-Fieber
Erreger: B. bacilliformis und Vorkommen in Peru...

Veruga Peruana:
http://en.wikipedia.org/wiki/Verruga_peruana
eigentlich dasselbe wie Oroya-Fieber????

Oh je, da soll noch einer schlau draus werden!
Doch A44.8 oder A44.9 würde tatsächlich aus passen :-)

Bartonella like Organism in Zusammenhang mit z.B. Borreliose und auch als eigenständige chronische Infektion gibt's halt ned im ICD 10.

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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.02.2015 16:11 von judy.)
12.02.2015 16:10
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